Aderlass

Ein alter naturheilkundlicher Lehrsatz lautet: „Wo immer die Natur einen Schmerz erzeugt, dort häuft sie schädliche Stoffe an und versucht sie zu entleeren, und wenn sie das nicht selber fertigbringt, so muss der Arzt eine künstliche Öffnung schaffen durch Schröpfen, Blutegel und dergleichen.“ Zu den so bezeichneten Ausleitungsverfahren gehört (aus der naturheilkundlichen Perspektive) auch der Aderlass. Seit jeher wurde venöse Blutausleitung zur Therapie solcher Erkrankungen genutzt, bei denen das Blut an sich bzw. eine zu hohe Blutanreicherung als Krankheitsfaktor gilt. Bei der Anwendung sind strenge Richtlinien zu befolgen, etwa die Maximalentnahme von 550 ccm Blut sowie die exakte Befolgung der Hygienemaßnahmen.

Der Aderlass kommt bei akuten entzündlichen Krankheiten, krankhaftem Anstieg der Erythrozyten, Bluthochdruck sowie venöser Blutfülle bei Krampfadern und Hämorrhoiden zum Einsatz. Zudem ist eine Kombination mit anderen naturheilkundlichen Therapieformen möglich. Zur Behandlung klinisch notfallmedizinischer Indikatoren (syn.) eignet sich der Aderlass nicht.

Bereits seit der Frühen Neuzeit findet der Aderlass Anwendung. Aufgrund der Missachtung der Behandlungsvorschriften (bzgl. entnommener Blutmenge und Hygiene) wurde im 17. 19. Jahrhundert viel Schaden verursacht. Heute findet der Aderlass in exakter Arbeitsweise verbreitete Anwendung.