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Berufsbild des Heilpraktikers für Psychotherapie

Nicht nur körperliche, auch seelische und geistige Beschwerden und Erkrankungen machen den Menschen seit jeher zu schaffen. Deshalb gibt es zur Therapie dieser Störungen verschiedene Therapiemöglichkeiten, um das seelische Gleichgewicht im Menschen wieder herstellen zu können. Den Beginn des Berufs Heilpraktiker für Psychotherapie kann man schon in der Antike, sowie in der Bibel finden. Hier waren es sogenannte Dämonenaustreibungen, die praktiziert wurden. Die Vermutung zu dieser Zeit war, dass ein externer Dämon den gesunden Geist des Menschen befallen hat. Jesus, später christliche Priester und auch Schamanen wollten diesen Befall durch den Dämon kurieren, indem sie ihn schlicht austrieben.

Im Mittelalter beherrschte der Teufelsglauben die Menschen geradezu. Anstelle der religiösen Ansicht über eine seelische Erkrankung, kam es vermehrt zu einer wissenschaftlich vernunftgeleiteten Sichtweise auf einen solchen Geisteszustand. Das Verhalten der Menschen wurde in Vernunftkategorien eingeteilt und alles, was der allgemein festgelegten Vernunft widersprach, wurde als irre und geisteskrank angesehen. Der „Irre“ wurde dann weggesperrt und angekettet oder gefoltert, bis zum Tod. Zum Ende des 18. Jahrhunderts befasste sich der französische Arzt Pinel eingehend mit psychischen Störungen und Erkrankungen und legte den Grundstein für eine veränderte Denkweise. Die Störungen wurden von ihm als Krankheiten identifiziert und nicht als Verbrechen des Erkrankten. Somit wurden diese nicht mehr für ihr Verhalten bestraft und die moderne Psychiatrie fand ihre Anfänge. Sigmund Freud führte die Forschung und Erkenntnisse Pinels weiter und begründete so die Psychotherapie, vor allem durch die Entdeckung des Unbewussten im Menschen. Er entwickelte neben einigen anderen Kollegen das Verfahren der Psychoanalyse, die als Basis der späteren Psychotherapie angesehen werden kann.

Das Berufsbild

Dadurch, dass die Psychotherapie ein sehr sensibles Berufsfeld bildet, ist auch die Ausübung dieses Berufes nur wenigen Berufsgruppen erlaubt. Der Berufsname „Psychotherapeut“ ist gesetzlich durch das Psychotherapeutengesetz geschützt. Nur Ärzte und ausgebildete Psychologen mit Zusatzausbildung dürfen die Berufsbezeichnung tragen. Allerdings gibt es eine Ausnahme, welche im Heilpraktikergesetz geregelt ist. Heilpraktiker dürfen, auch ohne eine Approbation, psychotherapeutische Verfahren anwenden. Allerdings dürfen sie sich unter keinen Umständen als Psychotherapeuten bezeichnen, sondern müssen stets den Titel „Heilpraktiker für Psychotherapie“ tragen. Sie sind lediglich auf psychotherapeutische Verfahren spezialisiert und für deren Einsatz qualifiziert.

Dennoch sagt die strenge Trennung zum Psychotherapeuten nichts über die Qualität des Wissens und der Behandlung durch einen Heilpraktiker für Psychotherapie aus. Der Weg zu diesem Beruf ist durch eine Ausbildung mit einer hohen Durchfallquote gekennzeichnet und geht mit großer Verantwortung einher. Dadurch, dass seelische Erkrankungen immer mehr zunehmen, ist der Bedarf größer als je zuvor. Durch unsachgemäße Verfahrensanwendung kann jedoch der zu behandelnde Mensch seelisch zerstört werden, was eine fundierte und anspruchsvolle Ausbildung rechtfertigt. Kennzeichnend für das Berufsbild sind festgelegte rechtliche Grundlagen nach dem HPG, die zuvor besprochene hochwertige Ausbildung und die Berufspraxis, beratend oder im Therapiegespräch. Hier ist zwischen dem Heilpraktiker für Psychotherapie und dem psychologischen Berater zu unterscheiden. Während psychologische Berater ausschließlich Beratungsgespräche mit seelisch gesunden Menschen führen dürfen, arbeitet der Heilpraktiker für Psychotherapie auch mit seelisch erkrankten Menschen.

Voraussetzung zur Berufsausübung

Es gelten dieselben Bedingungen, wie auch für die Ausbildung zum normalen Heilpraktiker. Das Mindestalter von 25, ein polizeiliches Führungszeugnis und mindestens Hauptschulabschluss. Zudem muss der angehende Heilpraktiker für Psychotherapie körperlich und vor allem seelisch gesund sein. Seelische Stabilität ist deshalb Grundvoraussetzung, da die Heilpraktiker mit seelischen Problemen ihrer Klienten konfrontiert werden, von denen sie sich distanzieren können müssen. Schlägt dies fehl und sie identifizieren sich mit den Problemen, können sie nicht objektiv therapieren und projizieren ihre eigenen Probleme auf den Klienten. Deshalb ist es notwendig, die eigene Vergangenheit erfolgreich bewältigt zu haben, um diesen Beruf verantwortungsvoll und erfolgreich ausüben zu können.

Die Berufsordnung

Da auch für dieses Berufsfeld die Ausbildung nicht gesetzlich geregelt ist, haben sich verschiedene Verbände zusammengeschlossen um eine einheitliche Regelung zu erlangen, zur Qualitätssicherung und Sicherung der fachlichen Kompetenz Außerdem gibt es zahlreiche Fachverbände, die sich auf verschiedene Methoden spezialisiert haben. Als speziellen Berufsverband gibt es den Verband Freier Psychotherapeuten (VFP). Hier organisieren sich freie Psychotherapeuten und Heilpraktiker für Psychotherapie gleichermaßen.