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Berufsbild des Tierheilpraktikers

Ob als Nutztiere oder Teil der Familie, Tiere sind seit langer Zeit ein geliebter und ständiger Begleiter des Menschen. Es verwundert deshalb nicht, dass der Mensch sehr um das Wohl seines Tieres bemüht ist und sich vor allem um die Gesundheit seines Gefährten sorgt. Dabei wird immer mehr auf alternative Methoden zurückgegriffen, wie es sie auch im Humanbereich gibt. Der Berufszweig der Tierheilpraktiker, mit seinen alternativen Heilmethoden, baut auf natürliche Kräfte und eine ganzheitliche Betrachtung der Tiergesundheit. Der Tierheilpraktiker bildet eine sinnvolle und wichtige Ergänzung zur Veterinärmedizin.

Die Geschichte des Tierheilpraktikers

Etwa ab dem 18. Jahrhundert trennte sich die Tierheilkunde in den Bereich der Tiermedizin und in den Bereich der Tierheilkunde. Jedoch gab es auch schon tausende Jahre zuvor Tierheilkundige, welchen das Wohl der Nutz – und Haustiere besonders am Herzen lag. In allen Kulturen, in denen der Mensch von Tieren und ihren Erzeugnissen profitierte, kam der Gesunderhaltung der Tiere ein hoher Stellenwert zu. Die alternative Tierheilkunde wurde niemals durch die Veterinärmedizin abgelöst, verlor jedoch im Laufe der Zeit durch diese zunächst an Bedeutung. In der modernen Zeit erlebte sie jedoch einen neuen Aufschwung. Den Menschen war die ausschließliche Behandlung durch einen Mediziner oft nicht ganzheitlich genug und sie wollten, wie auch im humanen Bereich, die Möglichkeit haben, zwischen verschiedenen Behandlungsmethoden wählen zu können. Besonders mit dem Aufschwung der Esoterik wurde auch die Tierheilkunde wieder sehr beliebt, aufgrund ihrer zum Teil auch esoterischen Behandlungsmethoden.

Heute gilt die Tierheilpraxis aufgrund ihrer alternativen Behandlungsmethoden als sinnvolle Ergänzung zur klassischen Tiermedizin. Durch Bachblütentherapie, Akkupunktur und andere sanfte Methoden soll die Lebensqualität und Gesundheit des Tieres natürlich herbeigeführt und unterstützt werden.

Rechtliche Grundlagen des Tierheilpraktikers

In Deutschland gibt es für den Beruf des Tierheilpraktikers keine rechtlichen Regelungen und Grundlagen. Ebenso ist die Berufsbezeichnung nicht rechtlich geschützt, weshalb sich eigentlich jeder, auch ohne spezielles Wissen oder Ausbildung, Tierheilpraktiker nennen könnte. Einzig dem deutschen Tierschutzgesetz unterliegt der Tierheilpraktiker. Seine Behandlungsmethoden werden dadurch eingeschränkt, dass er nicht zur Verschreibung klassischer oder homöopathischer Medikamente berechtigt ist(gem. §43 AMG). Auch die selbstständige Abgabe der Medikamente ist nur Tierärzten erlaubt(ApoG). Des Weiteren haben sich Tierheilpraktiker im Falle übertragbarer Krankheiten vom Tier auf den Menschen an das deutsche Infektionsschutzgesetz zu halten. Regionale, veterinärämtliche Bestimmungen, wie Hygienevorschriften oder Tierhaltung sind selbstverständlich ebenso verbindlich für den Tierheilpraktiker.

Ausbildung und Voraussetzungen

Das notwendige Fachwissen eines Tierheilpraktikers kann man sowohl auf einer Heilpraktikerschule im Präsenzunterricht, als auch per Fernstudium erlangen. Im Gegensatz zum Humanheilpraktiker findet aber keine Prüfung durch das regionale Gesundheitsamt statt, da es keine einheitlichen Vorschriften für die Ausbildung gibt. Dennoch ist eine fundierte Ausbildung unabdingbar. Der Erfolg des Tierheilpraktikers hängt maßgeblich davon ab, wie sehr der Kunde das Gefühl vermittelt bekommt, dass der Tierheilpraktiker genau weiß, was er tut.

Persönliche Voraussetzungen für die Ausübung des Berufes sind genauso wenig festgelegt, wie gesetzliche Regelungen zum Beruf generell. Dennoch sollte sich ein Berufsinteressent im Klaren darüber sein, dass er mit Lebewesen umgeht, diese behandelt und großes Vertrauen entgegengebracht wird, seitens der Besitzer. Man sollte diesen Beruf also nur dann wählen, wenn man sich selbst dieser Verantwortung gewachsen sieht und sich reif genug fühlt. Das Ausloten und Eingestehen der persönlichen Grenzen muss geleistet werden, um eine erfolgreiche und sinnvolle Behandlung zu ermöglichen.

Neben dem nicht festgelegten Mindestalter gibt es auch keine schulischen Voraussetzungen zur Ausübung des Berufes. Lediglich die deutsche Sprache muss beherrscht werden und Lesen und Schreiben sollten als Basiskenntnisse vorhanden sein. Zudem sollte einem Berufsinteressenten klar sein, dass die Ausbildung auf eigene Kosten erfolgt. Auch wird geraten, die Tierheilpraxis nicht als einzigen, bzw. Erstberuf zu erlernen. Dieser Beruf ist kein anerkannter Ausbildungsberuf und wird in Lebensläufen zweitrangig bewertet.

Verbände und die Berufsordnungen zum Schutz des Berufsbildes „Tierheilpraktiker“

Aufgrund des Versäumnisses des Gesetzgebers, rechtliche Grundlagen für dieses Berufsbild zu schaffen, gleich derer der Humanheilpraktiker, wurden einige Berufsverbände ins Leben gerufen, die dafür sorgen, Berufsregelungen und ein gewisses Berufsethos zu entwickeln. Auch die Ausbildung zum Tierheilpraktiker wird von diesen Verbänden organisiert. Damit eine gewisse Einheitlichkeit dieser freiwilligen Berufsregelungen gewährleistet werden kann, haben sich verschiedene einzelne Verbände zusammengeschlossen und vereinigt eine einheitliche Berufsordnung entworfen.

Tierheilpraktiker organisieren sich in diesen Verbänden, um ihren Klienten trotz der ungeschützten Berufsbezeichnung eine seriöse und fachkompetente Arbeitsweise zu gewährleisten. In Deutschland gibt es eine Vielzahl dieser Verbände, die sich um gute Ausbildung, stetige Weiterbildung und eine seriöse und kompetente Arbeitsweise der deutschen Tierheilpraktiker kümmern.

  • Verband Deutscher Tierheilpraktiker e.V.(THP)
  • Verband freier Tierheilpraktiker(VfT)
  • Deutsche Tierheilpraktiker Union e.V(DTU)
  • Ältester Verband der Tierheilpraktiker Deutschlands seit 1931 e.V(THP)
  • etc.

Die Berufsordnung für Tierheilpraktiker

Durch den Zusammenschluss verschiedener Verbände kam eine einheitliche Berufsordnung zu Stande, die für die beteiligten Verbände allgemeine Gültigkeit besitzt. Hier sind Richtlinien zur Berufspraxis, sowie zur fachlichen Bildung festgelegt:

  • Berufsgrundsätze und Berufspflichten
  • Schweigepflicht
  • Fortbildungspflicht
  • Richtlinien für den Praxisbetrieb und die Werbung
  • Zeugnisse und Gutachten
  • Gebühren
  • Verkauf und Verpachtung einer Praxis
  • Richtlinien zur Verabreichung von Medikamenten
  • Haftpflicht
  • Meldepflicht und Anzeigepflicht
  • Hilfskräfte
  • Berufsaufsicht
  • Standesdisziplin
  • Zuweisung gegen Entgelt
  • Bestandsberatung
  • Verstöße gegen die Berufsordnung
  • Geltungsbereich, Änderungen und Inkrafttreten